Die gesetzliche Rente allein reicht nicht mehr, um den Lebensstandard im Alter zu halten — diese Erkenntnis ist weder neu noch umstritten. Doch wie groß die Lücke tatsächlich ist und welche Maßnahmen sinnvoll sind, um sie zu schließen, darüber herrscht oft Unklarheit. Viele meiner Mandanten in Berlin sind überrascht, wenn sie erfahren, wie hoch ihre persönliche Rentenlücke wirklich ausfällt.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie Ihre Rentenlücke realistisch berechnen, welche Vorsorgeprodukte sich eignen und worauf Sie bei der Auswahl unbedingt achten sollten.

48 % Rentenniveau vor Steuern (Stand 2026)
1.250 € Durchschnittliche Regelaltersrente (2026)
67 Regelaltersgrenze für Geburtsjahrgang 1964+

Was ist die Rentenlücke — und warum wächst sie?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das Sie im Erwerbsleben gewohnt sind, und dem, was Ihnen im Alter tatsächlich zur Verfügung steht. Sie entsteht durch mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:

Ihre persönliche Rentenlücke berechnen

Die Berechnung ist simpler als viele denken. Sie benötigen drei Zahlen: Ihr aktuelles Nettoeinkommen, Ihre voraussichtliche gesetzliche Rente und den Betrag, den Sie im Alter monatlich benötigen.

Beispielrechnung: Angestellter, 40 Jahre, 4.000 € netto

Aktuelles Nettoeinkommen 4.000 €
Angestrebtes Einkommen im Alter (80 %) 3.200 €
Voraussichtliche gesetzliche Rente (brutto) 1.800 €
Rente nach Steuern und Krankenversicherung (ca.) 1.440 €
Monatliche Rentenlücke 1.760 €

Ernstfall: In diesem Beispiel fehlen jeden Monat 1.760 Euro — das sind 21.120 Euro pro Jahr. Bei einer angenommenen Rentendauer von 20 Jahren ergibt sich ein Kapitalbedarf von über 420.000 Euro, der durch private Vorsorge gedeckt werden muss. Und das bei konservativer Rechnung ohne B erücksichtigung der Inflation.

Wege, die Rentenlücke zu schließen

Es gibt zahlreiche Produkte und Strategien für die private Altersvorsorge — aber nicht alle sind gleich geeignet. Hier ein Überblick über die wichtigsten Säulen:

Vorsorgeart Steuerförderung Rendite (historisch) Flexibilität
Riester-Rente Zulagen + Steuerabzug Niedrig (2–3 %) Gering
Rürup-Rente (Basisrente) Steuerabzug bis 100 % Mittel (3–4 %) Sehr gering (keine Kapitalwahl)
Fondssparplan (ETF) Teilfreistellung bei Aktien-ETFs Höher (5–7 %) Hoch (jederzeit verfügbar)
Private Rentenversicherung Keine (nachgelagert) Mittel (3–4 %) Mittel
Immobilien (vermietet) Abschreibungen Mittel bis hoch Gering (Kapitalbindung)

Riester-Rente: Für wen sie sich eignet

Die Riester-Rente lohnt sich vor allem für Familien mit Kindern und Geringverdiener, da die staatlichen Zulagen einen beträchtlichen Anteil der Rendite ausmachen. Für Besserverdienende ohne Kinder ist sie hingegen selten die beste Wahl — die Verwaltungskosten und die geringe Rendite fressen die Steuervorteile auf. Zudem ist die Riester-Rente in der Auszahlungsphase voll steuerpflichtig und kann nicht vererbt werden.

Rürup-Rente: Für Selbstständige und Besserverdienende

Die Rürup-Rente (Basisrente) ist vor allem für Selbstständige attraktiv, die keine andere Möglichkeit haben, Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend zu machen. Der Beitrag ist bis zu 100 % als Sonderausgabe absetzbar — allerdings steigt der absetzbare Anteil jährlich und erreicht 2026 voraussichtlich 100 %. Der große Nachteil: Die Rürup-Rente kann nicht kapitalisiert, nicht vererbt und nicht vor Rentenbeginn aufgelöst werden. Sie ist eine reine Leibrente.

Fondssparpläne und ETFs: Der Rendite-König

Wer langfristig die höchste Rendite erzielen möchte, kommt an Fondssparplänen mit breit gestreuten ETFs kaum vorbei. Historisch haben weltweite Aktienmärkte über 20+ Jahre durchschnittlich 5–7 % pro Jahr realisiert — nach Inflation. Die Vorteile: hohe Flexibilität, geringe Kosten, volle Verfügbarkeit und die Möglichkeit der Teilliquidierung bei Bedarf. Der Nachteil: Keine steuerliche Förderung während der Ansparphase und Kursschwankungen, die kurzfristig zu Verlusten führen können. Als Investmentberater empfehle ich ETF-Sparpläne häufig als Kernstück der Altersvorsorge — ergänzt um steuerlich geförderte Produkte.

Meine Empfehlung: Bauen Sie Ihre Altersvorsorge auf drei Säulen auf: (1) Die gesetzliche Rente als Basis, (2) steuerlich geförderte Produkte wie Rürup oder Riester für die sichere Schicht, und (3) Fondssparpläne für das Rendite-Potenzial. Diese Kombination aus Sicherheit und Wachstum hat sich in der Praxis bewährt.

Häufige Fehler bei der Altersvorsorge

In meiner Beratungspraxis in Berlin sehe ich immer wieder dieselben Fehler:

1. Zu spät anfangen

Der Zinseszins-Effekt braucht Zeit. Wer mit 25 statt mit 40 zu sparen beginnt, kann bei gleicher monatlicher Rate ein deutlich höheres Kapital ansammeln. Ein monatlicher ETF-Sparplan von 200 Euro über 40 Jahre kann bei 6 % Rendite über 370.000 Euro erwirtschaften — über 20 Jahre sind es nur rund 92.000 Euro.

2. Nur auf ein Produkt setzen

Wer ausschließlich auf die Riester-Rente oder nur auf einen Banksparplan setzt, verzichtet auf Renditepotenzial. Eine breit gestreute Vorsorgestrategie ist robuster und chancenreicher.

3. Kosten ignorieren

Verwaltungskosten, Ausgabeaufschläge und Depotgebühren fressen Rendite. Ein Riester-Vertrag mit 2 % Verwaltungskostenaufschlag im Jahr kostet über 30 Jahre über 40 % des angesparten Kapitals. Achten Sie auf transparente, niedrige Kostenstrukturen — besonders bei Fondssparplänen.

4. Inflation nicht einrechnen

Wer heute 2.000 Euro monatlich als Vorsorgeziel ansetzt, wird in 25 Jahren bei 2,5 % Inflation knapp 1.100 Euro Kaufkraft haben. Rechnen Sie Ihre Zielrente immer inflationsbereinigt — andernfalls unterschätzen Sie den tatsächlichen Bedarf dramatisch.

Umfassende Informationen zur Strategie und Umsetzung finden Sie auf meiner Hauptseite zur Altersvorsorge & Investment.